1-2025 - Der Schwarze Schwan und wir
Wiebke Brüssel
April 2025
Soziale Medien sind oft Fluch, aber manchmal Segen. Der Beitrag eines Philosophen auf Instagram inspirierte mich zum Lesen eines interessanten Buches und zu dieser Kolumne.
Nassim Nicholas Taleb ist ein vielseitiger Mensch. Er ist sowohl in philosophischen und wissenschaftlichen Themen bewandert, außerdem ist er Börsenhändler. Bei dieser Tätigkeit kam ihm die Idee, sich mit Voraussagen zu beschäftigen. Er stellte fest, dass wir in einer Welt der „Schwarzen Schwäne“ leben. Diesem Thema hat er sein gleichnamiges Buch gewidmet.
Schwarze Schwäne – das sind Phänomene, die wir nicht voraussagen können und die sehr starke Auswirkungen auf uns und die wirtschaftliche Lage haben. Der Name kommt aus einer Zeit, in der sich in Europa niemand vorstellen konnte, dass nicht alle Schwäne weiß sind. Erst nachdem die ersten Europäer nach Australien kamen, erfuhren Sie, dass es dort auch schwarze Schwäne gibt.
Wir denken oft, dass wir alle Herausforderungen kennen und gut einschätzen können. Dann passieren Dinge, die wir nicht voraussehen konnten. Wir erinnern uns noch gut an einen der letzten „schwarzen Schwäne“, die Covid-Pandemie. Das hat uns überrollt und war vorher in keiner Wirtschaftsprognose erkennbar. Noch heute gibt es zahlreiche Nachwirkungen. Manche Unternehmen haben sich noch nicht erholt oder sind nicht mehr am Markt.
Wer wie ich Betriebswirtschaft studiert hat, erinnert sich sicher an die Statistik-Vorlesungen. In diesen Stunden lernten wir, wie man aus Vergangenheitswerten Erkenntnisse für zukünftige Entwicklungen berechnen könne. Zahlreiche volks- und betriebswirtschaftliche sowie mathematische Modelle basieren auf dieser Annahme. Doch dann kommt ein „Schwarzer Schwan“ - ein Virus, eine Finanzkrise oder ein unerwarteter Angriffskrieg. Haben wir eines dieser Ereignisse überstanden, können wir nicht wissen, wann das nächste kommt. Die Welt folgt keinem mathematischen Modell.
Egal wie gut sie ist, eine strategische Planung kann keine Hochrechnung aus Vergangenheitswerten sein. In unserer modernen Welt mit täglichen Veränderungen gibt es keine langfristige Gewissheit. Deshalb nennt Taleb unsere Welt „Extremistan“. Strategische Überlegungen brauchen also wesentlich kürzere Abstände.
Als wir uns im Jahr 2013 selbständig gemacht haben, kannten wir das Modell der „Schwarzen Schwäne“ nicht. Unser eigener Arbeitstitel war „Plan B“. Auf der Basis unserer persönlichen Finanz- und Lebensstil-Analyse (ein Teil des Business-Plans) haben wir überlegt, was wir tun, wenn wir aus welchem Grund auch immer scheitern. Wir haben für uns selbst folgende Fragen beantwortet:
Wie lange können wir mit unseren Mitteln durchhalten, auf welche Ausgaben können wir verzichten?
Was wären Alternativen, wenn unser Geschäftsmodell nicht funktioniert oder in dieser Art nicht mehr betrieben werden kann?
Doch wenn dann der Erfolg kommt, neigen wir dazu, solche Überlegungen beiseitezuschieben. Operative Anforderungen schieben sich dazwischen. Ein Beispiel: Bei einer Veranstaltung kamen wir mit einem anderen Gast ins Gespräch. „Strategie brauche ich nicht, es läuft ja alles gut“, das waren seine Worte. Wir empfehlen unseren Kundinnen und Kunden das Gegenteil. Gerade wenn es gut läuft, Unternehmen wachsen, steigt das Risiko. Geschieht dann etwas komplett Unvorhersehbares, haben wir nicht nur die Verantwortung für uns, sondern auch für Mitarbeitende. Deshalb ist es wichtig, den Blick in die Zukunft regelmäßig zu überarbeiten und den „Plan B“ anzupassen.
Zum Glück mussten wir auf unseren „Plan B“ bis heute nicht zurückgreifen. Glück ist laut Taleb ein wesentlicher Faktor für den Erfolg der meisten Unternehmen. Auch wenn wir Unternehmerinnen und Unternehmer gern darauf hinweisen, wie hart wir uns den Erfolg erarbeitet haben – rückblickend haben viele von uns immer mal wieder Glück gehabt. Ich wünsche uns allen, dass das so bleibt.
Wer jetzt Lust bekommen hat, einen Blick in das Buch zu werfen – es ist herausfordern zu lesen, aber für ein Fachbuch erstaunlich interessant und amüsant. Der Autor versteht es, seine Gedanken in Form von Geschichten zu servieren. Alle, die wie ich die „Sharing Economy“ mögen und ihre Bücher in der Stadtbibliothek ausleihen, finden es sicher dort im Bestand.
Redaktionelle Hinweise
Über die Autorin
Wiebke Brüssel ist Geschäftsführende Gesellschafterin des Strategiebüros.
Wir moderieren Planungsprozesse - einschließlich Vorbereitung und Dokumentation. Von einer einzelnen Fragestellung bis zur Strategischen Unternehmensplanung. Unsere Kunden sind Unternehmen und Organisationen im privaten, sozialen und öffentlichen Bereich, Firmen am Anfang ihrer Entwicklung und Gründer.
Hinweis zur verwendeten Sprache
Sprachliche Grundlage für unsere Beiträge ist das amtliche Regelwerk des Rates für deutsche Rechtschreibung. Wir sprechen alle Menschen an.
Lobbyregister
Das Strategiebüro ist unter der Kontonummer K4126147 im Lobbyregister des Deutschen Bundestages eingetragen.
Nutzungsrechte
Alle Rechte für unsere Beiträge und die verwendeten Bilder liegen, soweit nicht ausdrücklich anders gekennzeichnet, bei der Das Strategiebüro GbR. Wir freuen uns, wenn Sie Beiträge und Bilder für Ihre persönliche (ausschließlich private) Information nutzen, sie zitieren oder verlinken. Wenn Sie unsere Beiträge, Bilder oder andere Inhalte jedoch außerhalb der Grenzen des Urheberrechtes ganz oder teilweise für gewerbliche oder hoheitliche Zwecke verwenden, in elektronische Medien einstellen oder weitergeben wollen, bitten wir Sie, hierfür unsere schriftliche Genehmigung einzuholen.
Download als PDF-Datei
Diesen Beitrag können Sie als PDF-Datei herunterladen. Klicken Sie hierfür oben den Button "PDF" mit der rechten Maustaste an und wählen dann die Option zum Speichern der PDF-Datei auf Ihrem Gerät.
Dieser Beitrag wird im April 2025 auf den Bremer Exxtraseiten veröffentlicht.
© Das Strategiebüro